Dieses Stück enthält Hinweise auf Selbstmord und Selbstverletzung.
Mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem Debüt liefert dieser beliebte Kultthriller eine der erschütterndsten Wendungen des Kinos. Die einprägsamsten Wendungen sind diejenigen, die einen dazu zwingen, die gesamte Erzählung neu zu interpretieren. *Seven* hat einen von Anfang bis Ende gefesselt, doch der Moment, in dem die Box im Höhepunkt geöffnet wird, festigt seinen Status als zeitloser Klassiker – nicht nur wegen seines Schockfaktors, sondern weil sich die Enthüllung im Nachhinein so anfühlt, als hätte sie schon immer passieren sollen.
Das gleiche Prinzip gilt für die erschreckende Enthüllung in „The Sixth Sense“, die verblüffende Wendung in „The Usual Suspects“, die schockierende Enthüllung in „Gone Girl“, das Original „Saw“ und unzählige andere Filme. Ein weiteres herausragendes Stück dieser Liste ist das südkoreanische Meisterwerk *Oldboy* aus dem Jahr 2003. Unter der Regie von Park Chan-wook dreht sich die Geschichte um den Geschäftsmann Oh Dae-su (Choi Min-sik), der von einem rätselhaften Häscher entführt und fünfzehn Jahre lang gefangen gehalten wird. Als er plötzlich freigelassen wird, begibt er sich mit Hilfe eines jungen Kochs namens Mi-do (Kang Hye-jung) auf die Suche nach Rache.
Auch wenn die Prämisse relativ einfach erscheinen mag, begibt sich der Film auf ein Terrain, das man beim ersten Ansehen kaum vorhersehen kann. Mit einem Wort: „Oldboy“ ist einer der besten Thriller des 21. Jahrhunderts – mit atemberaubenden Darbietungen, eindrucksvollen Bildern und einer Handlung, die in einer unvergesslichen, unauslöschlichen Offenbarung gipfelt.
Oldboys unerwartete Wendung in der Handlung erklären

Dae-su findet schließlich heraus, dass sein Entführer ein alter Klassenkamerad namens Woo-jin (gespielt von Yoo Ji-tae) war. Jahre zuvor hatte Dae-su versehentlich enthüllt, dass Woo-jin und seine Schwester eine inzestuöse Beziehung führten. Der Skandal trieb Woo-jins Schwester in den Selbstmord und veranlasste ihren Bruder, einen komplizierten, mehrjährigen Plan auszuarbeiten, um Dae-su das volle Gewicht des von ihm zugefügten Schmerzes spüren zu lassen.
Während des Höhepunkts von Oldboy stellt Dae-su Woo-jin zur Rede, der geschworen hatte, sein eigenes Leben zu beenden, wenn Dae-su innerhalb von fünf Tagen die Wahrheit ans Licht bringen würde. Diese Konfrontation rückt den gesamten Racheplan von Woo-jin in den Fokus: Er enthüllt, dass Mi-do, die Dae-su einst als Freundin und später als Geliebte betrachtete, in Wirklichkeit seine erwachsene Tochter ist. Darüber hinaus wird enthüllt, dass Woo-jin einen Hypnotiseur engagierte, während Dae-su inhaftiert war, und nach seiner Freilassung eine Liebesbeziehung zwischen Dae-su und Mi-do arrangierte.
Bevor Spike Lee und Josh Brolin das amerikanische Remake von „Oldboy“ übernahmen, überlegte Steven Spielberg, Regie mit Will Smith in der Titelrolle zu führen.
Dae-su ist von der Enthüllung betrübt und abgestoßen und schneidet als Sühne seine eigene Zunge ab. Damit sichert er sich Woo-jins Versprechen, Mi-do die Wahrheit nicht preiszugeben. Selbst nachdem sich sein jahrzehntelang angelegter Plan einwandfrei entwickelt hat, bleibt Woo-jin vom Tod seiner Schwester heimgesucht und beendet schließlich sein eigenes Leben.
Im Epilog von *Oldboy* wendet sich Dae-su an denselben Hypnotiseur, in der Hoffnung, die Erinnerung daran auszulöschen, dass Mi-do seine Tochter ist. Als die Szene endet, umarmt ihn Mi-do – der sich seiner Vaterschaft noch nicht bewusst ist –, doch sein Lächeln löst sich schnell in Verzweiflung auf, was darauf hindeutet, dass der Hypnoseversuch gescheitert ist.
Der Abschluss von *Oldboy* erweitert seine ikonische Wendung in der Handlung.

Tatsächlich gibt es über die Wendung von *Oldboy* viel zu sagen. Es beschäftigt sich bewusst mit Tabuthemen, um den Zuschauer zu verunsichern, und die Enthüllung, dass Dae-su und Mi-do Vater und Tochter sind, löst einen Schock aus, der einem Schlag in die Magengrube gleicht. Die amerikanische Adaption mit JoshBrolin in der Hauptrolle blieb dieser zentralen Offenbarung treu, bot jedoch ein etwas hoffnungsvolleres Ende: Brolins Charakter Joe beschließt, sich von seiner Tochter Marie (ElizabethOlsen) zurückzuziehen, kehrt in die Einrichtung zurück, in der er festgehalten wurde, und verbringt die verbleibenden Jahre isoliert.
Park Chan-wook möchte, dass das Publikum das Unbehagen über Oldboys entscheidende Wendung wirklich spürt. Seiner Ansicht nach hat sich Dae-su in seine eigene Tochter verliebt und kann nicht länger in die Rolle ihres Vaters zurückkehren, was ihn dazu veranlasst, die Wahrheit absichtlich aus seinem Kopf zu löschen. Dies ist ein zutiefst beunruhigendes Szenario, und Park schließt den Film bewusst mit einer offenen Frage ab. Vielleicht hat die Hypnose gewirkt und das Paar wird „glücklich“ bis ans Ende ihrer Tage weiterleben, aber der Kummer in Dae-sus Gesicht lässt etwas anderes vermuten. Die Interpretation wird dem Betrachter überlassen, was eine weitere Ebene des Unbehagens mit sich bringt.